Die Revolution kommt auf leisen Sohlen – Thoreau, Walser und das Zufußgehen

In Zeiten unsagbaren technischen Fortschritts wird gerade eine Fortbewegungsart häufig marginalisiert oder als minderwertig angesehen: der Gang zu Fuß. Vielen scheint er im Vergleich zum Automobil als zu langsam, zu anstrengend oder schlicht zu „langweilig“; während er früher für große Teile der Bevölkerung die einzige Möglichkeit von A nach B zu kommen und daher eher…

Wenn Literatur zur Musik wird – beinahe

Wenn Dichter Romane schreiben, so kann das Ergebnis ein ganz großes Ereignis sein, ein einzigartiges Leseerlebnis bescheren, wie es sonst nur selten zu finden ist. Die federleichte Prosa scheint dann den Leser zu umhüllen, ihn wegzutragen in andere Welten, um ihn am Ende ganz sanft und behutsam wieder auf dem Boden der Tatsachen abzustellen, glücklich…

Der Typus des Schattenmenschen bei Dostojewskij und Kafka

Der Schattenmensch ist eine für die Moderne typische Gestalt: Hochindividualisiert und doch Teil einer gesichtslosen Masse. Selten wurde er auf den breiten und prachtvollen Boulevards der neuen Metropolen wie London, Paris, Wien oder Prag gesehen, denn nur selten trieb es ihn an das Tageslicht, nur selten konnte man seiner prekären Existenz gewärtig werden. Sicherlich wäre…

Das Korsett der Leitkultur

Auch wenn in letzter Zeit die Setzung und Festlegung einer Leitkultur als ein für den Erhalt der Gesellschaft in ihrer jetzigen Form notwendiger Akt propagiert wird, so stellt dies vor allem eines dar: Gewalt. Eine Leitkultur ist keine Synthese aus den im Staat vorhandenen kulturellen Handlungen zu einem Begriff, sondern ein Neologismus und eine Konstruktion…

Die Schule – Zuchthaus oder Wiege des Wissens?

Nachdem das Abitur absolviert war, man in seinem persönlichen Lebenskalender ein dickes rotes Kreuz eingetragen hat und nun optimistisch in die Zukunft sieht, kann man durchaus einmal ins Nachdenken über die Vergangenheit geraten. In meinem Falle betraf dieses Räsonieren die Inhalte dessen, was ich in den vergangenen zwölf Jahren gelernt hatte, bzw. haben sollte. Was…

Darf Literatur politisch sein?

Jene Diskussion, ob Literatur zur Erziehung der Menschen, zur Meinungsbildung und Meinungsbekundung benutzt werden darf oder ob es sich nicht viel mehr um ein esoterisches Kulturgut handle, das auf gar keinen Fall Parallelen zum Zeitgeschehen aufweisen dürfe und stattdessen sich in ästhetischer Autonomie und Darstellung der Natur üben solle, stellt kein Einzelphänomen dar, sondern taucht zu…

Zu „Die Dunkelste Stunde“: Wankelmut ist keine Schwäche

Persönlichkeiten wie Winston Churchill beeindrucken und gelten als Vorbild aufgrund ihrer Festigkeit, Direktheit und Charakterstärke; sie schaffen es nur mit Hilfe ihrer Worte Menschen zu inspirieren, zu motivieren und zu einem kohärenten Ganzen zu vereinen, direkt durch eine lebendige Stimme an die Herzen zu rühren, die sich zur Maßlosigkeit steigern kann. Nicht nur die Stimme…

Die Scham und das Paradox des Anderen

Sicherlich ist es das größte Verdienst der kartesianischen Lehre, die Subjektivität mit der Formulierung des berühmten und oft missverstandenen "cogito ergo sum" aus seiner schicksalshaften Unterordnung unter kirchliche, gesellschaftliche und autoritäre Normen gehoben und als alleinigen Herren eingesetzt zu haben, denn nichts weniger als die Aufklärung war eine der längerfristigen Folgen dieser Inthronisation. Das "Ich"…

Zu Jacques Derrida – Der Ursprung ist nicht der Ursprung

Diese und ähnliche Paradoxa prägen die Philosophie des französischen Poststrukturalisten Jacques Derrida, was ihm den Vorwurf der Verschleierung einer klaren Beschreibung seiner eigenen Philosophie – nicht zuletzt, um die Unreife und den Unsinn seiner Gedanken zu verdecken, wie einige Kritiker polemisch bemerkten – eintrug. Doch diese Kritiker übersehen, dass die Aussagen Derridas notwenig im Unklaren…