183661Gelangweilt vom eintönigen Programm der Streamingplattform Netflix suchte ich vor Kurzem nach Alternativen und stieß auf Mubi, welche nach dem Rotationsprinzip jeden Tag einen preisgekrönten und vielfach gefeierten Film zum Ansehen bereitstellt, wobei der jeweils älteste Film nach 30 Tagen wieder aus dem Programm genommen wird. Ich muss zugeben, anfangs war ich skeptisch, denn die meisten Filme machten auf mich eher den Eindruck von avantgardistischer Enthobenheit, sodass ich denn Sinn dieser Filme niemals verstehen würde, beziehungsweise von deren intellektuellem Anspruch so schnell überfordert sein würde, dass ich keinen einzigen Film zu Ende sehen würde.

Aber weit gefehlt! Zumindest der Film „Snowpiercer“ des südkoreanischen Regisseurs Bong John-ho hat es mir angetan.

Zu Beginn des Films wird mit Hilfe von Texteinblendungen ein dystopisches Szenario wie aus dem Schulbuch aufgebaut, denn die Erde sei aufgrund des misslungenen Einsatzes eines ominösen Kältemittels völlig zugefroren und jegliches Leben sei damit vernichtet worden. Die einzigen Überlebenden sind Menschen, die sich in eine Art moderne „Arche Noah“ retten konnten: Einen Zug der „Wilford-Company“, der in einer Ringstrecke die Erde pausenlos umrundet. Dabei sind die Passagiere dieses Zuges nicht gleichberechtigt, sondern bilden eine Art Ständegesellschaft ab: Am hinteren Ende des Zuges befinden sich die unterprivilegierten Arbeiter, die von den an der Spitze lebenden Reichen, angeführt von eben jenem „Wilford“, unterdrückt und ausgebeutet werden.

Wie schon erwähnt hat man zu Beginn des Filmes den Eindruck, dass es sich hierbei um eine phantastische Dystopie handele, doch der Schein trügt – was nebenbei bemerkt zum Thema dieses Filmes avanciert -, denn vielmehr blickt man auf Themen, die jeden Tag in der Welt geschehen: Die Unterdrückung der Armen zum Wohle der Reichen, das Elend der Armut, die Wut der Arbeiter.

Wie eine prophetische Voraussicht auf die seit 2015 verstärkt auftretenden Flüchtlingsströme nach Europa scheint die Handlung zu sein: Die Armen mobilisieren ihre letzten Aufgebote und versuchen in das Abteil der Reichen zu gelangen und deren Anführer Wilford zu stürzen, wobei jedoch mehr als die Hälfte ums Leben kommt, nämlich durch brutale Soldaten, die wie Samuraikämpfer anmuten und ihre Gegner mit Messern, Säbeln und Maschinengewehren abschlachten. Klar, im Gegensatz zum Film wenden wir Europäer nicht aktiv Gewalt gegen Flüchtlinge an, doch durch unsere Passivität, also zum Beispiel die Weigerung sichere Fluchtkorridore einzurichten, sind wir mindestens genauso mörderisch und grausam.

Ich versuche es so zu formulieren, dass ich das Ende des Filmes nicht verrate, aber soviel sei gesagt: Ich war sprachlos, als die letzten Überlebenden der tapfer kämpfenden Armen feststellen müssen, dass der Schein trügen kann, dass der Weg zum Glück nicht immer der des Kämpfens und sich in Gefahr begebens ist, letztenendes, dass auch in Europa nicht der Friede herrscht, den sie erstrebten. Denn dort warten neue Gefahren: Diskriminierung und Ausbeutung.

Auch wenn „Snowpiercer“ stellenweise zur Gewaltorgie ausartet, so war ich von seiner Tiefgründigkeit begeistert und seine Parallelen zur aktuellen Lage der Welt regen zum nachdenken an. Ich würde mich auch über eure Meinung zu diesem Film freuen.

Beste Wünsche und bleibt interessiert! Euer Moritz

Links: WikipediaIMDb

Film ansehen: Mubi (zeitlich begrenzt)AmazoniTunes

 

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