Detachment_posterDetachment ist kein Film, den man sich mit der Familie ansehen sollte, sondern es ist ein Film, den man alleine erleiden muss, denn es ist ein Werk, das den Zuschauer sehr stark vereinnahmt und zu Selbstreflexionen anregt, die im Kreise der Familie unangenehm werden könnten, weil es um ein schwieriges, kompliziertes Thema geht, das jeder für sich selbst beantworten muss, unabhängig von der Meinung Anderer: „Warum lebe ich?“

Im Mittelpunkt des Filmes steht der Aushilfslehrer Henry Barthes, der zu Beginn des Filmes eine Vertretungsstelle in einer US-amerikanischen Schule inmitten eines sozialen Brennpunktes annimmt. Da es vielen Schülern an Erziehung und Maßregelung mangelt, drangsalieren sie sich gegenseitig, Mobbing ist an der Tagesordnung, wobei auch die Lehrer versuchen müssen, sich gegen die Anfeindungen der Schüler zu wehren. Durch diese Conditio artet die Schule zu einem reinen „Überlebenskampf“ aus, in dem es gilt, sich als stark zu erweisen und über jede Feindseligkeit erhaben zu sein, was sich zum Beispiel darin äußert, jede Beleidigung eines Schülers mit Humor zu nehmen und sich über diesen lustig zu machen. Henry beherrscht dieses Spiel durch jahrelange Berufserfahrung ziemlich gut, jedoch fühlt er sich erschöpft und ausgebrannt, vor allem auch deshalb, da sein Großvater, der sich aufgrund seiner Demenz im Altersheim befindet, viel Zuwendung benötigt, denn auch die Pflegerinnen und Pfleger sind mit ihrer Arbeit überfordert, weswegen Henry einen Großteil der psychologischen Zuwendung übernehmen muss.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es in Detachment keinen Charakter gibt, der nicht mit seinem Alltag überfordert wäre und deshalb immer wieder auf die oben genannte Frage der Raison d’Être seiner Existenz stößt; aber Camus gemäß, der auch im Film eingangs zitiert wird, nehmen die meisten keine Ausflüchte von diesem Alltag, sondern versuchen diesen so gut wie möglich zu bewältigen.

Der Film experimentiert jedoch auch mit zwei Charakteren, die versuchen ihr Leben zu ändern: Einerseits die Prostituierte Erica, die eines Tages von Henry aufgenommen und somit den Weg von der Straße weg findet, andererseits eine talentierte Schülerin Henrys, Meredith, die allerdings von ihrer Familie und ihren Mitschülern gehänselt wird. Auch ihr möchte Henry helfen, was jedoch aufgrund seiner eigenen psychischen Belastung scheitert. Am Ende begeht Meredith Suizid.

Es werden also drei Optionen aufgezeigt, mit der Last des Lebens umzugehen: Den gewohnten Alltag leben ohne etwas zu ändern, sein Leben radikal zu ändern oder Selbstmord zu begehen. Der Film geht dabei keine Wertung ein, welcher Weg nun der Beste wäre, sondern überlässt dem Zuschauer dieses Urteil.

Ein niederschmetternder, komplexer Film, der es in sich hat und durch die hervorragende Schauspielleistung Adrian Brodys (Henry Barthes) abgerundet wird.

Bleibt interessiert!

Beste Wünsche,

Euer Moritz

 

Links: IMDbWikipedia

Film ansehen: Mubi (zeitlich begrenzt)AmazoniTunes (nur auf Englisch)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s